Leistung

Wurzelbehandelter Zahn

Ob ein wurzelbehandelter oder entzündeter Zahn erhalten werden kann, lässt sich erst nach einem 3D-Röntgenbild sagen; im normalen Röntgen bleiben Entzündungen an der Wurzelspitze oft unsichtbar. Wir führen Wurzelbehandlungen mit OP-Mikroskop selbst durch, sehen das Verfahren aber kritisch und sagen Ihnen offen, wann eine Revision, eine Wurzelspitzenresektion oder die Entfernung mit Ersatz durch ein Keramikimplantat die bessere Lösung ist. Entscheiden tun Sie.

Behandlung

Das Wichtigste in Kürze

  • 3D-Röntgen (DVT) als Grundlage jeder Entscheidung
  • Wurzelbehandlung mit Spezialinstrumenten und OP-Mikroskop in unserer Praxis
  • Offene Grenzen: Wo wir nicht weiterkommen, überweisen wir an Endodontie-Spezialisten
  • Alle Wege auf dem Tisch: Revision, Wurzelspitzenresektion, Entfernung mit Keramikimplantat
  • Kein Druck in eine Richtung – Sie treffen die Entscheidung

Was ist das Problem an einem wurzelbehandelten Zahn?

Ein wurzelbehandelter Zahn hat keinen lebenden Nerv und keine Blutversorgung mehr. Bleiben in den feinen Seitenkanälen Bakterien zurück, kann sich an der Wurzelspitze eine chronische Entzündung bilden, oft ohne Schmerzen. In der biologischen Zahnmedizin gilt ein solcher Zahn als möglicher Entzündungsherd, der den Organismus dauerhaft belasten kann.

Wie stark sich das auf den übrigen Körper auswirkt, ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt. Wir sagen deshalb nicht pauschal „raus damit“, sondern schauen uns jeden Zahn einzeln an.

Warum reicht ein normales Röntgenbild nicht?

Weil Entzündungen an der Wurzelspitze auf zweidimensionalen Aufnahmen häufig verdeckt bleiben. Wir sehen regelmäßig wurzelbehandelte Zähne, die im normalen Röntgenbild unauffällig sind und im 3D-Röntgenbild (DVT) deutliche Veränderungen zeigen, etwa ein Granulom am Wurzelende. Deshalb beginnt jede Entscheidung bei uns mit einer DVT-Aufnahme.

Führen Sie Wurzelbehandlungen selbst durch?

Ja. Wir behandeln mit Spezialinstrumenten und OP-Mikroskop, weil nur so die feinen und gekrümmten Kanäle sichtbar und gründlich zu reinigen sind. Wir sehen das Verfahren allerdings kritisch und kennen seine Grenzen: Nicht jeder Zahn lässt sich dauerhaft entzündungsfrei bekommen.

Wo wir an eine Grenze stoßen, sagen wir das und überweisen an einen Endodontie-Spezialisten mit der passenden Fachexpertise. Das kann bedeuten, dass der beste Behandler nicht in Kiel, sondern zum Beispiel in Hamburg sitzt. Uns ist das Ergebnis wichtiger als die Frage, wer behandelt.

Revision, Wurzelspitzenresektion oder Entfernung – was ist der richtige Weg?

Das hängt vom Befund ab, und die Entscheidung treffen Sie. Wir bereiten sie vor, indem wir Ihnen die drei Wege mit ihren Chancen und Risiken erklären:

  • Revision: Die alte Wurzelfüllung wird entfernt, die Kanäle werden unter dem Mikroskop neu aufbereitet und gefüllt. Sinnvoll, wenn der Zahn stabil ist und die Entzündung auf eine unvollständige erste Behandlung zurückgeht.
  • Wurzelspitzenresektion: Die entzündete Wurzelspitze wird chirurgisch entfernt. Eine Option, wenn die Revision keinen Erfolg verspricht, der Zahn aber erhalten werden soll. Dabei wird Knochen an der Wurzelspitze entfernt; sollte der Zahn später doch verloren gehen, ist ein Implantat an dieser Stelle meist nur mit Knochenaufbau möglich. Biologisch betrachtet ist die Wurzelspitzenresektion deshalb ein Kompromiss, den wir eher selten empfehlen.
  • Entfernung und Ersatz: Der Zahn wird gezogen und das entzündete Gewebe vollständig entfernt; in den meisten Fällen setzen wir direkt ein Keramikimplantat, sofern möglich mit festem Provisorium am selben Tag. Sinnvoll, wenn die Restsubstanz gering ist, die Entzündung groß oder der Zahn bereits mehrfach behandelt wurde.

In der biologischen Zahnmedizin ist der dritte Weg oft der konsequenteste. Er ist aber nicht automatisch der richtige: Ein eigener Zahn, der sich entzündungsfrei erhalten lässt, bleibt der beste Zahn.

Kann ein Zahn ohne Beschwerden trotzdem ein Problem sein?

Ja. Chronische Entzündungen an der Wurzelspitze tun meist nicht weh. Ob ein beschwerdefreier Zahn behandelt werden sollte, hängt vom DVT-Befund, Ihrer Gesundheit und Ihrer persönlichen Haltung ab. Wir legen Ihnen den Befund offen und sagen, was wir empfehlen würden; drängen werden wir Sie nicht.

Was passiert, wenn ich den Zahn ziehen lasse?

Eine Lücke sollte zeitnah geschlossen werden, sonst wandern Nachbarzähne und der Kieferknochen baut sich ab. In über 90 % unserer Fälle ist eine Sofortimplantation möglich: Zahn entfernen, Entzündungsgewebe säubern, Keramikimplantat setzen, in einer Sitzung. Alternativ kommen eine Vollkeramikbrücke oder, selten, eine herausnehmbare Lösung in Frage.

Was kostet das?

Das hängt vom Zahn und vom Weg ab. Die Krankenkasse übernimmt eine Wurzelbehandlung nur unter klaren Voraussetzungen, vor allem wenn sich die Kanäle mit einfachen Mitteln bis zur Wurzelspitze aufbereiten lassen; bei großen Backenzähnen mit gekrümmten Kanälen ist das oft nicht der Fall. Die Arbeit mit OP-Mikroskop, elektronischer Längenmessung und maschineller Aufbereitung ist in jedem Fall eine Privatleistung nach GOZ, ebenso meist die Revision. Für die Entfernung mit Keramikimplantat finden Sie die Preisorientierung auf keramikimplantatezentrum.de. Den Heil- und Kostenplan erhalten Sie schriftlich vor Beginn.

So läuft es ab

  1. Erstgespräch: Beschwerden, Vorgeschichte, klinische Untersuchung und 3D-Röntgenbild (DVT).
  2. Befundbesprechung: Wir zeigen Ihnen den Befund am Bildschirm und erklären, welche Wege in Frage kommen, mit Chancen, Risiken und Kosten.
  3. Ihre Entscheidung: Ohne Zeitdruck. Bei Bedarf holen wir die Einschätzung eines Endodontie-Spezialisten ein.
  4. Behandlung: Wurzelbehandlung oder Revision unter dem Mikroskop, Wurzelspitzenresektion, oder Entfernung mit Sofortimplantation.
  5. Kontrolle: DVT-Kontrolle nach angemessener Zeit, damit wir wissen, ob die Entzündung ausgeheilt ist.

Autor: Dr. Ralf Lüttmann, Zahnarzt seit 1991, Implantatchirurgie seit 1993, Keramikimplantate seit 1998. Fachlich geprüft im Oktober 2026.

Für wen geeignet

Für Menschen mit einem wurzelbehandelten Zahn, der Beschwerden macht oder im Röntgenbild auffällig ist, für Menschen mit chronischen Beschwerden, bei denen ein Entzündungsherd im Mund abgeklärt werden soll, und für alle, die vor einer Wurzelbehandlung eine zweite Meinung möchten.

Sie haben Angst vor der Behandlung? Dann lesen Sie zuerst auf unserer Seite für Angstpatienten, wie wir vorgehen.

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